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Webentwicklung

Eigene Website kostenlos erstellen: Welche Möglichkeiten gibt es wirklich?

Stefanos Svarnas·10 Min. Lesezeit

Du willst eine Website, aber möglichst wenig dafür ausgeben? Das ist völlig verständlich -- gerade am Anfang muss man mit dem Budget haushalten. Die gute Nachricht: Es gibt tatsächlich Wege, eine eigene Website komplett kostenlos zu erstellen. Die weniger gute Nachricht: „Kostenlos" hat immer einen Haken. In diesem Artikel zeige ich dir ehrlich, welche Optionen es gibt, was sie können -- und wo die Grenzen liegen.

Die drei großen kostenlosen Website-Baukästen

Es gibt mittlerweile Dutzende Baukasten-Anbieter, aber drei stechen für deutschsprachige Nutzer hervor:

1. Jimdo (Made in Germany)

Jimdo kommt aus Hamburg und ist besonders bei deutschen Selbstständigen beliebt. Der KI-gestützte Assistent „Jimdo Dolphin" erstellt dir in wenigen Minuten eine Basis-Website.

  • Kostenloser Plan: Ja, mit Jimdo-Subdomain (deinname.jimdosite.com)
  • Vorteile: Sehr einfach zu bedienen, deutsche Oberfläche, DSGVO-Tools integriert, guter mobiler Editor
  • Nachteile: Jimdo-Werbung auf deiner Seite, keine eigene Domain, begrenzter Speicherplatz (500 MB), eingeschränkte Design-Anpassungen
  • Kosten für Upgrade: Ab ca. 11 Euro/Monat für eigene Domain und werbefreie Seite

2. Wix (Der Allrounder)

Wix ist der weltweit größte Baukasten-Anbieter und bietet die meisten Gestaltungsmöglichkeiten im kostenlosen Plan.

  • Kostenloser Plan: Ja, mit Wix-Subdomain (deinname.wixsite.com/sitename)
  • Vorteile: Riesige Template-Auswahl, Drag-and-Drop-Editor, viele Apps und Erweiterungen, auch für Shops
  • Nachteile: Wix-Werbebanner, keine eigene Domain, Seiten laden teilweise langsam (viel JavaScript), SEO-Möglichkeiten eingeschränkt
  • Kosten für Upgrade: Ab ca. 13 Euro/Monat für eigene Domain und werbefrei

3. WordPress.com (Nicht verwechseln mit WordPress.org)

WordPress.com bietet einen kostenlosen Hosting-Plan mit der bekannten WordPress-Oberfläche. Wichtig: Das ist nicht dasselbe wie WordPress.org (die selbst gehostete Version).

  • Kostenloser Plan: Ja, mit WordPress-Subdomain (deinname.wordpress.com)
  • Vorteile: Mächtiger Editor, guter Blog-Bereich, solide SEO-Grundlagen, große Community
  • Nachteile: WordPress-Werbung, keine eigene Domain, kein Plugin-Zugang, eingeschränkte Themes, kein Custom CSS
  • Kosten für Upgrade: Ab ca. 4 Euro/Monat (Personal-Plan) für eigene Domain

Was alle kostenlosen Pläne gemeinsam haben

Egal für welchen Anbieter du dich entscheidest -- im kostenlosen Plan wirst du immer mit diesen Einschränkungen leben müssen:

  • Keine eigene Domain: Statt www.dein-unternehmen.de bekommst du eine Subdomain wie deinname.wixsite.com. Das wirkt unprofessionell und ist für SEO nachteilig
  • Werbung des Anbieters: Auf deiner Website wird Werbung für den Baukasten eingeblendet -- nicht gerade vertrauenserweckend für Kunden
  • Begrenzter Speicherplatz: Meistens 500 MB bis 1 GB -- das reicht für eine kleine Seite, wird aber schnell knapp
  • Eingeschränktes SEO: Erweiterte SEO-Funktionen wie benutzerdefinierte Meta-Tags oder Schema-Markup sind oft nur in Bezahlplänen verfügbar
  • Kein E-Mail-Postfach: Eine professionelle E-Mail wie info@dein-unternehmen.de gibt es nur mit eigener Domain

Die versteckten Kosten von „kostenlos"

Bevor du dich für die kostenlose Variante entscheidest, rechne ehrlich:

Deine Zeit ist Geld

Ein Baukasten verspricht „Website in 30 Minuten". Die Realität: Du wirst 10-20 Stunden brauchen, bis alles so aussieht und funktioniert, wie du es dir vorstellst. Texte schreiben, Bilder suchen und bearbeiten, Design anpassen, mobile Ansicht prüfen, Datenschutz einrichten -- das summiert sich schnell.

Rechenbeispiel: Wenn du deine Arbeitszeit mit 50 Euro pro Stunde ansetzt und 15 Stunden brauchst, hast du 750 Euro „investiert" -- nur nicht in Geld, sondern in Zeit, die du nicht in dein Kerngeschäft stecken konntest.

Upgrade-Druck

Die kostenlosen Pläne sind bewusst eingeschränkt, damit du irgendwann upgraden musst. Sobald du eine eigene Domain willst (und die brauchst du), zahlst du monatlich. Über 2-3 Jahre summiert sich das auf 300-500 Euro -- für ein Baukastensystem mit Einschränkungen.

Domain-Kosten

Selbst wenn der Baukasten „kostenlos" bleibt -- eine eigene.de-Domain kostet ca. 8-15 Euro pro Jahr. Ohne eigene Domain bist du kein ernstzunehmender Geschäftspartner.

Wann reicht eine kostenlose Website?

Ehrliche Antwort: In diesen Fällen kann eine kostenlose Website ausreichen:

  • Du bist Hobby-Blogger oder hast ein persönliches Projekt
  • Du willst erstmal testen, ob deine Geschäftsidee funktioniert (MVP)
  • Du brauchst nur eine temporäre Seite für eine Veranstaltung
  • Du hast buchstäblich null Budget und brauchst überhaupt erst mal eine Online-Präsenz

Wann brauchst du mehr?

Wenn eine oder mehrere dieser Aussagen auf dich zutreffen, wirst du mit einer kostenlosen Website nicht glücklich:

  • Du willst über Google gefunden werden (SEO)
  • Du brauchst eine professionelle E-Mail-Adresse
  • Dein Wettbewerb hat professionelle Websites
  • Du bietest Dienstleistungen an, bei denen Vertrauen wichtig ist
  • Du willst Kontaktformulare, Buchungssysteme oder einen kleinen Shop
  • Du möchtest langfristig Kunden über das Internet gewinnen

Tipps: Das Beste aus der kostenlosen Version rausholen

Falls du dich trotzdem für den kostenlosen Start entscheidest, mache es wenigstens richtig:

Tipp 1: Weniger ist mehr

Erstelle maximal 3-5 Seiten: Startseite, Über mich, Leistungen, Kontakt. Lieber wenige Seiten mit gutem Inhalt als viele leere Seiten.

Tipp 2: Texte sind wichtiger als Design

Investiere deine Zeit in gute Texte. Schreibe klar, was du anbietest, für wen und warum man dich wählen sollte. Kein Marketing-Blabla -- sprich so, wie du mit einem Kunden im Laden sprechen würdest.

Tipp 3: Eigene Fotos statt Stockfotos

Ein echtes Foto von dir, deinem Laden oder deiner Arbeit ist tausendmal mehr wert als ein generisches Stockfoto. Moderne Smartphones machen gute Bilder -- du brauchst keinen Fotografen.

Tipp 4: Impressum und Datenschutz nicht vergessen

In Deutschland ist ein Impressum gesetzlich vorgeschrieben, sobald du eine geschäftliche Website betreibst. Auch eine Datenschutzerklärung ist Pflicht. Nutze kostenlose Generatoren wie den von e-Recht24 oder der Kanzlei Siebert Lexow.

Tipp 5: Google Business Profil als Ergänzung

Egal ob du eine Website hast oder nicht: Richte auf jeden Fall ein Google Business Profil ein. Das ist komplett kostenlos und bringt dir Sichtbarkeit bei lokalen Suchanfragen. Wie das geht, erfährst du in unserem Google Business Einrichtungs-Guide.

Tipp 6: Eigene Domain separat kaufen

Du kannst bei Anbietern wie IONOS, Strato oder Namecheap eine.de-Domain für ca. 8-12 Euro pro Jahr kaufen und sie mit deiner Baukasten-Website verknüpfen. Das geht auch im kostenlosen Plan mancher Anbieter und macht sofort einen professionelleren Eindruck.

Alternative: WordPress.org selbst hosten

Wenn du etwas technikaffiner bist, gibt es noch die Option, WordPress.org (die Open-Source-Version) auf günstigem Webhosting selbst zu installieren:

  • Kosten: Ca. 3-5 Euro/Monat für Shared Hosting bei All-Inkl, Strato oder Netcup
  • Vorteile: Volle Kontrolle, tausende kostenlose Plugins und Themes, keine Werbung, unbegrenzte Anpassungen, professionelles SEO möglich
  • Nachteile: Technisches Grundverständnis nötig, du bist selbst für Updates und Sicherheit verantwortlich

Für viele kleine Unternehmen ist das der beste Mittelweg zwischen „komplett kostenlos" und „professionell erstellen lassen".

Mein ehrliches Fazit

Ja, du kannst eine Website kostenlos erstellen. Aber „kostenlos" bedeutet nicht „umsonst" -- du zahlst mit deiner Zeit, mit Einschränkungen und oft mit einer weniger professionellen Außenwirkung.

Für den allerersten Start, zum Ausprobieren einer Idee oder als temporäre Lösung sind kostenlose Baukästen völlig in Ordnung. Sobald du aber ernsthaft Kunden gewinnen willst, wirst du entweder in ein Bezahl-Abo oder in eine professionelle Website investieren müssen.

Falls du unsicher bist, welcher Weg für dich der richtige ist -- melde dich einfach. Ein kurzes Gespräch kann dir Wochen des Herumprobierens ersparen.