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App Entwicklung

App Entwicklung: Was kostet eine App für mein Unternehmen?

Stefanos Svarnas·10 Min. Lesezeit

"Was kostet eine App?" ist die häufigste Frage, die ich von Unternehmern höre. Und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an. Aber nicht auf mysteriöse Faktoren, sondern auf konkrete Entscheidungen, die du treffen kannst. Und genau diese Entscheidungen erkläre ich dir in diesem Artikel.

Am Ende weißt du, welche Art von App für dein Unternehmen Sinn macht, was sie realistisch kostet und ob du überhaupt eine App brauchst oder ob eine andere Lösung besser wäre.

Die drei Arten von Apps: Native, Hybrid und PWA

Bevor wir über Kosten reden, musst du die drei grundlegenden Ansätze verstehen. Die Wahl zwischen ihnen bestimmt den Preis, die Qualität und die langfristigen Kosten.

Native App

Eine Native App wird speziell für eine Plattform entwickelt: iOS (iPhone/iPad) oder Android. Sie wird in der Programmiersprache der jeweiligen Plattform geschrieben, Swift für iOS und Kotlin für Android.

  • Vorteile: Beste Performance, voller Zugriff auf alle Gerätefunktionen (Kamera, GPS, Push-Nachrichten, Sensoren), bestes Nutzererlebnis
  • Nachteile: Am teuersten, weil für jede Plattform separat entwickelt wird. Doppelter Aufwand für iOS und Android
  • Kosten: 20.000 bis 150.000+ Euro pro Plattform
  • Ideal für: Apps mit hohen Performance-Anforderungen, Spiele, komplexe Funktionen, große Nutzerbasis

Hybrid App

Eine Hybrid App wird mit Web-Technologien (HTML, CSS, JavaScript) entwickelt und dann in eine native Hülle verpackt. Frameworks wie React Native oder Flutter ermöglichen es, mit einer Codebasis beide Plattformen abzudecken.

  • Vorteile: Eine Codebasis für iOS und Android, schnellere Entwicklung, günstiger als Native, trotzdem gute Performance
  • Nachteile: Nicht ganz so performant wie Native, manche Gerätefunktionen eingeschränkt
  • Kosten: 15.000 bis 80.000 Euro
  • Ideal für: Die meisten Business-Apps, Terminbuchung, Kundenportale, E-Commerce

Progressive Web App (PWA)

Eine PWA ist im Grunde eine Website, die sich wie eine App verhält. Sie kann auf dem Homescreen installiert werden, funktioniert offline und kann Push-Nachrichten senden. Aber sie läuft im Browser und muss nicht über den App Store installiert werden.

  • Vorteile: Am günstigsten, kein App-Store-Prozess, eine Codebasis für alle Geräte, sofort aktualisierbar
  • Nachteile: Eingeschränkter Zugriff auf Gerätefunktionen, nicht im App Store auffindbar, iOS-Unterstützung teilweise eingeschränkt
  • Kosten: 5.000 bis 25.000 Euro
  • Ideal für: Informations-Apps, Speisekarten, Kundenportale, einfache Bestell-Apps
Mein Rat: Für die meisten kleinen und mittelständischen Unternehmen ist eine Hybrid App oder PWA die richtige Wahl. Native Entwicklung lohnt sich nur, wenn du eine App mit hohen Performance-Anforderungen oder einer sehr großen Nutzerbasis planst.

Die Kostenaufstellung im Detail

App-Entwicklung besteht aus mehreren Phasen. Hier ist eine realistische Aufstellung, was jede Phase kostet:

Phase 1: Konzept und Design (10-20% des Budgets)

  • Anforderungsanalyse: Was soll die App können? Wer sind die Nutzer? 1.000 bis 3.000 Euro
  • UX/UI Design: Wireframes, Prototypen, das visuelle Design. 3.000 bis 10.000 Euro
  • Technische Spezifikation: Welche Technologien, welche Architektur? 1.000 bis 3.000 Euro

Phase 2: Entwicklung (50-60% des Budgets)

  • Frontend: Was der Nutzer sieht und bedient. 5.000 bis 40.000 Euro
  • Backend: Server, Datenbank, APIs. 5.000 bis 30.000 Euro
  • Integration: Anbindung an bestehende Systeme (CRM, Warenwirtschaft, Zahlungsanbieter). 2.000 bis 15.000 Euro

Phase 3: Testing und Launch (10-15% des Budgets)

  • Qualitätssicherung: Testen auf verschiedenen Geräten und Betriebssystemen. 2.000 bis 8.000 Euro
  • App Store Submission: Veröffentlichung im Apple App Store und Google Play Store. 500 bis 2.000 Euro
  • Apple Developer Account: 99 USD pro Jahr
  • Google Play Developer Account: Einmalig 25 USD

Die versteckten Kosten: Wartung und Betrieb

Hier machen viele den größten Fehler: Sie planen nur die Entwicklungskosten ein, nicht die laufenden Kosten. Eine App ist kein einmaliges Projekt, sondern ein laufendes Produkt.

Was nach dem Launch kostet

  • Server und Hosting: 50 bis 500 Euro pro Monat, abhängig von Nutzerzahl und Datenvolumen
  • Updates und Bugfixes: 500 bis 3.000 Euro pro Monat. Betriebssystem-Updates von Apple und Google erfordern regelmäßige Anpassungen
  • Neue Features: Budget variiert, aber plane mindestens 20% der ursprünglichen Entwicklungskosten pro Jahr ein
  • Support: Nutzeranfragen, Fehlermeldungen, App-Store-Bewertungen beantworten

Faustregel: Die jährlichen Wartungskosten betragen 15 bis 25% der ursprünglichen Entwicklungskosten. Eine App für 50.000 Euro kostet also 7.500 bis 12.500 Euro pro Jahr an Wartung.

Praxis-Tipp: Plane von Anfang an ein Wartungsbudget ein. Nichts ist frustrierender als eine App, die nach einem iOS-Update plötzlich nicht mehr funktioniert, weil kein Budget für Anpassungen da ist.

Wann macht eine App wirklich Sinn?

Nicht jedes Unternehmen braucht eine App. Bevor du investierst, stell dir diese Fragen:

Eine App lohnt sich, wenn...

  • Deine Kunden regelmäßig mit dir interagieren (mindestens wöchentlich)
  • Du Funktionen brauchst, die eine Website nicht bieten kann (Push-Nachrichten, Offline-Zugang, Kamerazugriff)
  • Deine Konkurrenz Apps anbietet und Kunden es erwarten
  • Du ein Kundenbindungsprogramm oder Treueprogramm aufbauen willst
  • Du wiederkehrende Prozesse automatisieren willst (Bestellungen, Terminbuchungen, Liefertracking)

Eine App lohnt sich NICHT, wenn...

  • Eine responsive Website dieselbe Funktion erfüllen kann
  • Du weniger als 500 potenzielle Nutzer hast
  • Es nur um eine digitale Visitenkarte geht
  • Du kein Budget für laufende Wartung hast
  • Du die App nur haben willst, "weil alle eine haben"
Die beste App der Welt nützt nichts, wenn sie niemand installiert. Frage dich zuerst: Würden meine Kunden diese App wirklich nutzen? Regelmäßig?

Alternativen zur eigenen App

Bevor du 20.000+ Euro in eine App investierst, prüfe diese Alternativen:

Progressive Web App (PWA)

Wie oben beschrieben: Eine PWA bietet App-ähnliche Funktionen zu einem Bruchteil der Kosten. Für viele Anwendungsfälle, besonders Informationsdarstellung, einfache Buchungen und Kundenportale, ist eine PWA die klügere Wahl.

Responsive Website mit App-Funktionen

Eine moderne responsive Website kann heute vieles, was früher nur Apps konnten: Standorterkennung, Push-ähnliche Benachrichtigungen, Offline-Caching. Für viele lokale Unternehmen reicht das völlig aus.

No-Code/Low-Code App-Builder

Plattformen wie Glide, Adalo oder FlutterFlow ermöglichen es, einfache Apps ohne Programmierkenntnisse zu erstellen. Die Kosten liegen bei 50 bis 500 Euro pro Monat. Ideal für Prototypen oder einfache Anwendungsfälle.

So findest du den richtigen App-Entwickler

Die Wahl des Entwicklers ist genauso wichtig wie die Wahl der Technologie. Hier sind deine Optionen:

Freelancer

  • Kosten: 60 bis 120 Euro pro Stunde in Deutschland
  • Vorteile: Günstiger als Agenturen, direkter Kontakt, flexibel
  • Risiken: Abhängigkeit von einer Person, Ausfallrisiko, keine QA-Abteilung

Agentur in Deutschland

  • Kosten: 100 bis 200 Euro pro Stunde
  • Vorteile: Professionelles Team, QA, Projektmanagement, langfristiger Support
  • Risiken: Teurer, manchmal langsamere Kommunikation

Offshore-Entwicklung

  • Kosten: 25 bis 60 Euro pro Stunde
  • Vorteile: Deutlich günstiger
  • Risiken: Kommunikationsprobleme, Zeitverschiebung, Qualitätsschwankungen, DSGVO-Herausforderungen
Praxis-Tipp: Lass dir immer Referenzen zeigen und teste die Apps, die der Entwickler bereits gebaut hat. Frage nach den Wartungskosten und wie Updates gehandhabt werden. Ein guter Entwickler plant langfristig, nicht nur bis zum Launch.

Checkliste: App-Projekt richtig planen

Bevor du startest, arbeite diese Punkte durch:

  • Zielgruppe und Nutzerzahl realistisch einschätzen
  • Kernfunktionen definieren, was muss die App unbedingt können?
  • Native, Hybrid oder PWA entscheiden
  • Budget für Entwicklung UND Wartung einplanen
  • Mindestens 3 Angebote von verschiedenen Entwicklern einholen
  • MVP zuerst, dann erweitern. Nicht alles auf einmal
  • DSGVO-Konformität von Anfang an einplanen
  • Analytics und Nutzerfeedback-Mechanismen einbauen
  • App Store Optimierung (ASO) nicht vergessen
  • Marketingbudget für den Launch einplanen

Fazit: Eine App ist eine Investition, kein Experiment

Eine App zu entwickeln ist eine ernsthafte Investition, die sich aber enorm lohnen kann, wenn sie richtig geplant und für den richtigen Anwendungsfall eingesetzt wird. Der Schlüssel ist, mit einem klaren Problem zu starten, nicht mit einer Lösung.

Frage dich: Welches Problem meiner Kunden löst die App? Wenn du darauf eine klare Antwort hast, bist du auf dem richtigen Weg. Wenn nicht, ist vielleicht eine gute Website die bessere Investition.

Und egal für welchen Weg du dich entscheidest: Starte klein, teste mit echten Nutzern, und baue dann aus. Ein gut gemachtes MVP (Minimum Viable Product) für 15.000 Euro ist besser als eine überladene App für 100.000 Euro, die niemand nutzt.

Über den Autor

Stefanos Svarnas
Gründer von Knusperholz. Entwickelt Apps und Websites für lokale Unternehmen.

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